COVID-19 – Auswirkungen auf die Erfolgsrechnung

Die Schliessung der Verkaufslokalitäten sowie der Umsatzrückgang in der Werkstatt wirken sich negativ auf die Erfolgsrechnung aus. Doch wie schlimm ist es wirklich? Wir haben anhand einer Simulation die möglichen Ertragseinbussen berechnet.

Im Verkauf sind die Umsatzeinbrüche überall etwa im gleichen Rahmen ausgefallen. Anders präsentiert sich die Lage im Aftersales: Einige Betriebe haben bereits innert kürzester Zeit nach Bekanntgabe der Massnahmen des Bundes auf Kurzarbeit umstellen müssen, andere Betriebe spüren hingegen nur einen geringfügigen Rückgang der Nachfrage in der Werkstatt. Daher hat sich die Corona-Krise in der Praxis sehr unterschiedlich ausgewirkt. Unsere Berechnungen sollen einen Durchschnittsbetrieb darstellen.

Ausgangslage
Unsere Berechnungen basieren auf durchschnittlichen Zahlen eines mittelgrossen Betriebs. Die Jahreszahlen haben wir linear auf einen Monat heruntergebrochen. Saisonale Schwankungen werden nicht berücksichtigt. Die Aufstellung soll die Differenz zwischen einem normalen Monat und einem Monat im Coronamodus zeigen.

Erfolgsrechnung bei Corona
Der Fahrzeugumsatz ist fast zum Erliegen gekommen. Einzelne Geschäfte können zwar noch getätigt werden – diese beziffern wir jedoch nur auf 10% der üblichen Grösse. Durch die Kurzarbeitsentschädigung haben wir auch den Lohnaufwand der Verkäufer nur noch mit 20% eingesetzt. Beim Verkaufsaufwand können ebenfalls Einsparungen erzielt werden.

Den Aftersales-Umsatz haben wir mit 60% eingesetzt. Wir gehen davon aus, dass dies ein eher vorsichtiger Wert ist und ein Grossteil der Betriebe eher darüber liegen. Die Einsparungen beim Personal infolge KAE sind ebenfalls eher vorsichtig mit 25% gerechnet. Daraus ergibt sich folgende Rechnung:

Auswirkungen auf den Erfolg
Statt des üblichen Monatsgewinns von 12 resultiert ein Verlust von 53. Somit betragen die monatlichen Mindereinnahmen 65. Innerhalb von 2-3 Monaten wäre somit der gesamte übliche Jahresgewinn weggeschmolzen.

Entscheidend für die Jahresrechnung 2020 wird sein, wann wir wieder zum normalen Betrieb zurückkehren können. Eine ebenso wichtige Rolle wird das Kaufverhalten der Kunden spielen. Sind die Konsumenten verunsichert und verzichten vorerst auf einen Fahrzeugkauf? Oder hat sich während der Krisenzeit die Nachfrage aufgestaut und es ist mit höheren Verkaufsaktivitäten zu rechnen? In der Annahme, dass Herr und Frau Schweizer auch in Zukunft nicht auf das Auto verzichten wollen, gehen wir davon aus, dass ein Grossteil der während der Krise entgangenen Verkäufe in absehbarer Zeit wieder aufgeholt werden können. Bei etlichen Firmenkunden dürfte hingegen die Erneuerung der Fahrzeugflotte nicht zuoberst auf der Prioritätenliste stehen. Ein weiteres Problem liegt in der Verfügbarkeit der Neuwagen, da etliche Werke ihren Betrieb heruntergefahren haben und ein Lieferengpass die Folge sein dürfte. Deshalb wird der Umsatz- und Ertragseinbruch im Geschäftsjahr 2020 wohl recht markant ausfallen. Für 2021 sind wir aber optimistisch.

Auswirkungen auf die Liquidität
Wir unterstellen, dass der Ergebnisrückgang von 65 pro Monat sich im gleichen Umfang auf die Liquidität auswirkt. Insbesondere die gewährten Zahlungsaufschübe der meisten Importgesellschaften können die Liquidität kurzfristig verbessern. Diese werden jedoch in unserer Berechnung ausgeklammert.

Bei einer Dauer des Lockdowns von zwei Monaten ergibt sich in unserem Fall ein Liquiditätsausfall von 130. In Anbetracht, dass ein mittelgrosser Garagenbetrieb eine vom Bund garantierte Liquiditätshilfe von 500 erhalten hat, dürfte die Liquiditätslage nicht das Hauptproblem der Garagisten sein.

Chancen packen
Im Gegensatz zu anderen Branchen kommt das Fahrzeuggewerbe relativ glimpflich durch die Krise. Natürlich sind die Umsatz- und Ertragseinbussen während des Lockdowns beträchtlich, aber ein wesentlicher Teil dieser Einbussen sollte mittelfristig wieder aufgeholt werden können. Deshalb gilt es nun, sich für die Zeit nach der Krise bereit zu machen. Mit einem motivierten Team sollte es gelingen, diese schwierige Zeit möglichst rasch hinter sich zu bringen und den Schaden in Grenzen zu halten.

Andreas Kohli
Leiter Treuhand

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